Klimt der Küstenhund – Ein Reisebericht

Ostsee-Urlaub mit Hindernissen

Wie wir das Beste aus unseren Ferien in Trassenheide auf Usedom gemacht haben

Klimt hat zum ersten Mal das Meer gesehen. Geschmeckt. Gespürt. Geliebt?
Ich denke er fand es herrlich. Zumindest hat er sich immer und immer wieder in die Fluten gestürzt, um die Gischt zu erhaschen, hat wie von Sinnen im Sand gebuddelt, um sich dann den Körper nach allen Regeln der Kunst zu panieren. Er trippelte mit stolz erhobenem Schwänzchen den Strand entlang, die Schnauze noch sandig, das Fell zottelig nass und ein lauerndes Lächeln in den Augen: „Die nächste Welle ist meine!“



Eine ganze Woche haben wir an der Ostsee verbracht. Ich bin kein Freund von Urlauben, betrachte das Spektakel eher als Stress und vermisse meine sicheren, gewohnten Strukturen. Letztlich habe ich mich doch überreden lassen. Klar, war: der Hund kommt mit. Eigentlich hätte es Kroatien sein sollen. Luxuriöse Villa mit Pool, Jacuzzi, Billardtisch, Sauna und mega Garten irgendwo im Nirgendwo. Alles schon gebucht. Corona hat es verhindert. Es wurde also Trassenheide auf Usedom.

Die Beschreibung im Internet versprach einen kleinen Bungalow mit umzäunten  Garten, das Meer nur 1,5 Kilometer entfernt. Ein Küstendorf mit 2 Hundestränden in der Nähe. Alles klar: Da habe ich meine Ruhe, kann zum Strand, wenn ich Lust habe, und mir ansonsten schon ab 16 Uhr (kein Bier bzw. Wein vor 4!) chillich das ein oder andere Glas Vino gönnen. Ich war einverstanden.


Die Realität machte mir einen Strich durch die Rechnung...


  1.  Wir kommen an und stellen fest, dass der Zaun nicht ausbruchssicher ist. Das Haus steht direkt an einer stark befahrenen Straße. Ich kotze. Adios unbeschwertes Besäufnis. Dann wird es eben ein gepflegtes Trinken mit Klimt an der Schleppleine.
  2. Die Vermieterin zeigt uns den „Bungalow“. Er misst gut 20 m² (2 m x 10 m), ist eher antik und kreativ eingerichtet. Der Fernseher ist ebenfalls mini-klein und empfängt viele Programme nur bedingt oder gar nicht. Hunde seien auf Bett und Couch verboten, erklärt die Vermieterin ausführlichst. Dafür ist es sauber und es kommt sofort warmes Wasser aus der Leitung. Ich fühle mich auch ohne 2 bis 5 Shoppen im Gesicht und einer Crack-Pfeife zwischen den Fingern wie Eminem in 8 Mile. Trailer-Park-Athmosphäre eben. Aber ok, damit kann ich leben.
  3. Die Vermieterin offenbart uns, dass der Garten nicht uns allein zur Verfügung steht, sondern wir ihn mit den Urlaubern aus dem angrenzenden Wohnhaus teilen. Die haben 2 Hunde dabei. Ich kotze zum zweiten Mal und merke an, dass Klimt andere Hunde hasst. Die Vermieterin glotzt mich an. Klimt springt auf die Couch und bellt aufgeregt. Ihre Augen werden noch größer! Ich hole Klimt von der Couch und denke: Adios gepflegtes Trinken mit Klimt an der Schleppleine. Adios Urlaub mit Kuscheln auf der Couch. Adios Entspannung. Adios Lohn harter Arbeit.
  4. Wir stellen erstmal unser Gepäck in den Bungalow und beschließen einen Spaziergang zu machen. Es ist Samstag, Pfingstwochenende. Bereits der Weg zum Strand wird zum Spießrutenlauf. Gefühlt 2 Millionen Fußgänger pilgern mit uns, 1 Millionen Radfahrer rauschen an uns vorbei, während uns etwa 1 Tausend Hunde entgegenkommen. Nach den ersten 200 sieht selbst Klimt ein, dass man nicht alle töten kann und hört auf, jede Töle anzukläffen, sondern stolziert nur rüdenhaft steif vorbei. Ein erster Fortschritt.
Fakt ist: Wir fallen hier auf. In meinem Kopf hallt es: Kacke! Ich bin jetzt 24/7 an den Hund gefesselt und muss permanent auf Habacht sein, weil: stressige Umgebung, stressiger Garten, stressige Unterkunft. Und so soll ich meine so seltenen, wertvollen freien Tage verbringen!? Es hätte nicht schlimmer kommen können.

Und das kam es auch nicht. Denn letztlich hat, sich so einiges relativiert.

Unter Aufsicht sogar mal ohne Schleppleine im Garten.

Dass der Gartenzaun nicht hundesicher war, kann man nicht schön reden. Aber Klimt machte keine Anstalten auszureißen, sodass ich mich nach und nach doch entspannen konnte.

Auch an der Größe und Ausstattung des Bungalows ließ sich nichts ändern, aber auch das ging in Ordnung. Wir wollten dort ja nicht den Rest unseres Lebens verbringen. Darunter, dass Kontaktliegen auf der Couch verboten war, haben wir beide doch etwas gelitten. Aber gut, es war ebenfalls nur temporär.

Viel größer erschien uns die Problematik mit den fremden Hunden der benachbarten Urlauber: Ein großer, dominanter Rüde und eine kleine Hündin. Mit dem Rüden hätte es definitiv ein Gemetzel gegeben. Zum Glück ist er bereits nach 3 Tagen abgereist! Bis dahin haben wir uns abgesprochen, wer wann den Garten benutzt. Nachdem der Rüde wieder heim gefahren war, konnte ich aufatmen. Denn mit der kleinen Hündin hat sich Klimt prima verstanden. Es war sofort entschieden, dass Leni die Chefin ist, was Klimt sofort akzeptiert hat. Und ab und an hat sie sich sogar mal zu dem ein oder anderem Rennspiel mit Klimt hinreißen lassen. Nur das ausgiebige Popo-Schnuppern wurde hart abgestraft. Klimt hat‘s dann auch unter notgeilem Fiepen eingesehen. Übrigens handelte es sich bei Lenis Herrchen und Frauchen, beide um die 70, um ein sehr nettes, goldiges Paar aus NRW, dass nie zuließ, dass ich meinen Wein alleine Trank und uns jeden morgen die Bild-Zeitung auf die Terrasse legte.

Klimt und Leni 💕

Blieben da nur noch unsere Ausflüge und meine Panik, dass es zu furchtbaren Szenen mit Touristen, deren Kindern und Hunden kommen könnte. Vorab die erleichternde Auskunft: Das kam es nicht. Die Hunde der Urlauber waren alles ausnahmslos  gut erzogen und/oder an der Leine. An etwa der Hälfte kamen wir tatsächlich ohne Bellen vorbei; vermutlich einfach deshalb, weil es so viele waren, dass selbst Klimt des Aufregens müde geworden war. An den Hündestränden (es gab sogar 2 fußläufig) allerdings konnte ich mich leider nicht entspannen. Der eine war sehr voll, sodass ich nach nur wenigen Minuten abgebrochen habe: Kurz im Meer planschen und ab wieder in den Wald- und Dünenbereich. Am Zweiten weniger gut besuchten haben wir es deutliche länger ausgehalten. Aber wirklich relaxed war ich zumindest auch hier nicht.

Beim Wandern im küstennahen Wald. Ohne Sand im Schuh und Fell kamen wir nie nach Hause.

Letztlich sind wir sehr viel gewandert, haben verschiedene Küstenstädtchen besucht, es uns in den Restaurants gut gehen lassen, gegrillt und Minigolf gespielt. Ein Supermarkt mit Bäcker und Metzger sowie eine Fischbude waren nur 200 Meter von unserer Wohnung entfernt. Wir waren also  selbstversorgertechnisch super versorgt. Das Nachtleben war zwar hier in Trassenheide praktisch nicht vorhanden, aber weil ich Klimt nicht alleine in der Unterkunft lassen konnte, war das für uns sowieso irrelevant. Ein Ausflug ins benachbarte Polen war wegen Corona leider nicht möglich. Dafür hat an 6 von 7 Tagen die Sonne geschienen. Insgesamt habe ich die Region als sehr hundefreundlich empfunden. Viele wollten Klimt streicheln. Bei Kinder habe ich besser mal abgelehnt. Hat die nur nicht immer interessiert.
Mir sind nur sehr wenige Gastro-Betriebe aufgefallen, in denen Hunde nicht erlaubt waren. Außerdem war es überall dort, wo mit Touristen gerechnet wurde, blitzeblank sauber. Ich glaube, ich habe in dieser Woche keine einzige Glasscherbe gesehen. Dafür standen an jeder Ecke Kotbeutelspender und Mülleimer. Wenn man die Touri-Pilgerwege verließ, hatte man auch seine Ruhe. Schnell hatte ich solche „Geheimrouten“ entdeckt, wo ich Klimt auch mal entspannt laufen lassen konnte. Auch hat man dort noch einige Relikte aus der ehemaligen DDR finden können. Die standen in krassem Gegensatz zu den geschniegelten Villen in so einigen Küstenorten. Ich fand es trotzdem oder gerade deshalb spannend und irgendwie charmant.

Buddeln im Sand geht halt auch irgendwie immer - zumindest wenn die Paparazzi mit dem Foto nicht so dreist stören würde. 😂

Mein Fazit:

Usedom mit nettem Tutnix-Hund: absolut empfehlenswert.
Usedom mit Klimt: Machbar aber anstrengend. Das Gute jedoch: Tatsächlich hatte ich das Gefühl, der Urlaub hat uns näher zusammengebracht, dadurch dass wir stressige Situationen gemeinsam gemeistert haben, statt ihnen auszuweichen.
Wird es weitere Urlaube mit Hund geben?
Ja, aber nur, nachdem ich die Unterkunft vorher genauestens und unter Kontaktaufnahme mit dem Vermieter gecheckt habe. Kein Sprung ins kalte Wasser mehr!
Und kalt war die See tatsächlich. Und verdammt windig im Strandbereich! Dennoch war das Meer unser Highlight. Klimt hat definitiv das Zeug zum Küstenhund.


Kommentare

  1. Hallöchen ☺️

    ich habe 2016 einen unglaublich anstrengenden Urlaub auf Rügen gehabt..mitten in den Sommerferien mit einem - nunja- Hunde-pöbelnden, Männer/Fremde/Alles was sich schnell bewegt-von null-auf 50 werdenden Hund (schaut doch gerne auf unserem Facebook-Profil vorbei) ab da habe ich mir gesagt „nie wieder in der Hauptsaison, an einem überfüllten Lieblings Touristenurlaubsort!!“ somit war ich mit Rocky 2018 alleine in Egmond an Zee (nachdem ich dort 2017 ein wieder anstrengendes Wochenende mit einer Freundin und ihrem damals 3 jährigem Sohn 😩 und ihren 2 Chihuahuas hatte) und es war der schönste urlaub! Im Nachhinein würde ich allerdings nicht nochmal in die Unterkunft sondern eine mit einer höherwertigen Ausstattung. Garten mit Zaun wäre mir im Sommer auch wichtig, allerdings fahre ich am liebsten im Herbst/Frühling, weil da weniger Menschen in den Urlaub fahren 😅😬 im Harz letztes Jahr im August, war es extrem schön und trotz Ferienzeit, nicht zu überlaufen - es verteilt sich relativ gut. (An Aussichtspunkten haben wir halt Abstand gehalten..zwischendurch hatte ich auch den Maulkorb auf - und immer mit) (also Rocky ist nicht hochaggressiv aber wenn jemand in seine Individualdistanz dringt, zwickt er gerne mal, das hat sich seit einer Osteopathie Behandlung vor 3 Wochen unglaublich verbessert!)

    Sorry fürs viele Gelaber, ich hoffe irgendwas davon konnte dir helfen 😄🥰

    Liebe Grüße

    Caro

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    1. Hey, danke für das Teilen deiner Erfahrungen. Dass die Ferienzeit nichts für uns ist, habe ich auch gelernt. Pfingsten war unklug gewählt. Beim nächsten Mal definitiv Nebensaison.
      Habe dein FB Profil jetzt auf Anhieb nicht gefunden, wenn ich RockytheRocket eingebe. Hast du nen Link?

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  2. Ich muss gestehen, wenn man es nur liest, dann muss man doch öfter schmunzeln ... aber wenn ich mich dann in die Situation versetze, dann fühle ich doch mit. Bei uns ist Cara ja auch nicht sehr "sozial-kompatibel" und nicht umsonst nennt unsere Tierärztin Shadow ihren einzigen echten ADHS-Patienten ;)
    Urlaub ist für uns auch nur außerhalb jeder normalen Reisezeit machbar und wir sind auch immer dort zu finden, wo es keinen normalen Touristen hinverschlägt. Allerdings können wir ja hier daheim den Touristen nicht wirklich ausweichen - aber auch da finden sich immer Möglichkeiten und Wege.
    Was ich sehr schade finde, dass eine Unterkunft die Hunde erlaubt dann solche Einschränkungen macht (wobei ich Bett ja noch teilweise verstehe). Aber unsere Urlaubsgäste dürfen selbst entscheiden, wo sie mit ihrem Hund sitzen und schlafen möchten ;) Und ich finde, es ist besser gleich ehrlich zu sagen, der Garten ist nicht hundesicher eingezäunt - das erspart Ärger und ein enttäuschte Erwartungen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden nur unsere Terrasse einzuzäunen ... davon ausgehend, dass uns das auch reichen würde.

    Ich wünsche euch, dass der nächste Urlaub entspannter wird und ihr eine schönere Unterkunft findet.

    Liebe Grüße,
    Isabella mit Cara und Shadow

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    1. Ja, beim nächsten Mal nehme ich mir auf jeden Fall mehr Zeit bei der Auswahl. Im Prinzip war die Ostesee ja so ein Schnellschuß, nachdem der ziemlich perfekt geplante Urlaub in Kroatien ausfallen musste.

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