Geliebter Arschlochhund


Fotos (4): Tobias Riepl

Warum Klimt mir mein Leben versaut und ich sooo kurz davor bin, ihn ins Tierheim zu geben


Heute war wieder einmal einer dieser Tage, an denen ich mich fragte, haben es denn wirklich zwei Hunde sein müssen, hat es denn Klimt sein müssen? Wieso macht er mein Leben so kompliziert. Ja, mir schoss die Frage durch den Kopf: Wieso versaut er mir mein Leben eigentlich so?! Im selben Moment kam das schlechte Gewissen. Denn ich habe den kleinen Trottel ja so unglaublich lieb. Vielleicht versauen Louni und ich ihm ja sein Leben?


Los ging es damit, dass ich in der Früh zum Gassi Gehen mit beiden Hunden aufbreche und nach nicht einmal fünf Metern einen alten Schulfreund und dessen Lebensgefährtin treffe. Ein Gespräch, geschweige denn eine Umarmung zur Begrüßung ist erst mal unmöglich, weil Klimt vor freudiger Aufregung bellt wie ein Irrer. „Die sind ja gut erzogen“, so der Kommentar meines alten Freundes. „Hm, ich schäme mich auch gerade zu Tode“, gebe ich zu. „Ach, was...“, winken die beiden ab. Das Gespräch nimmt dann dennoch an Fahrt auf und ich erfahre, wer nun alles Richter, Arzt, Lehrer oder Steuerberater ist, wer geheiratet hat und wo sich Nachwuchs ankündigt. „Toll, alle machen Karriere und/oder gründen Familien, während ich mich von zwei Arschlochhunden – na eigentlich nur einem – durch den Stadtpark schleifen lasse“, so meine Gedanken. Meine verpickelte Fresse, die mangelhaft frisierten Haare und meine schmuddelige Hundejacke tragen auch nicht unbedingt dazu bei, mein Selbstwertgefühl ein paar Level hochzuscoren. Wäre ich wenigsten schön in dem Moment... Nix da! Alles Kacke. Und warum trifft man Bekannte eigentlich immer, wenn man aussieht, als wär man gerade überfahren worden?!
Als wäre der Tag nicht schon wunderbar genug gestartet, hatte ich offenbar die Gassi-Rush Hour erwischt. Von weiten sehe ich mehrere Mensch-Hund-Gespanne in unsere Richtung steuern. Ich bereite also meine Gesprächspartner auf Klimts Ausbruch vor, damit die sich nicht zu Tode erschrecken. Sein Toben lässt auch nicht allzu lange auf sich warten. Das Gespräch wird unmöglich. Die Freundin verabschiedet sich derweilen, wegen eines wichtigen Termins. Mein Schulfreund fragt mich mitleidig, ob er mir nicht wenigstens einen Hund abnehmen soll und wieso es denn gleich zwei haben sein müssen. „Nein, soll er nicht.“ Und: „Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe.“ Wir plaudern noch eine Weile und ich verabschiede mich, als ich einen dritten Hund auf uns zusteuern sehe.
Nur wenige hundert Meter weiter: der mittlerweile vierte Hund. Zum Glück ist nun Platz, um Distanz zu schaffen. Doch da spricht mich die Halterin an: „Ist das nicht Lounelle!?“ Da erkenne ich die Dame. Früher, vor Klimts Zeiten, als Louni noch Interesse an anderen Hunden hatte, waren wir mehrmals die Woche im örtlichen Hundeauslaufgebiet miteinander unterwegs gewesen. Gerne wäre ich näher gekommen, hätte getestet, ob Louni den mittlerweile ebenfalls grauen Sammy noch erkennt, und hätte entspannt mit der Frau geplaudert. Keine Chance. Klimt, wie irre zerrend und sichtbar auf Krawall gebürstet, lässt mich den Abstand halten. Also brüllen wir uns einige wenige Infos zu und gehen dann unserer Wege. Schade.

Aber nicht nur dass Klimt andere Hunde, Katzen, Pferde, Erwachsene, Kinder, Alte, Radfahrer und eigentlich jeden anbellt, ich trau mich dadurch nicht, ihn irgendwem anzuvertrauen. Naja, jeden anbellen ist jetzt auch übertrieben. 37 Radfahrer sind ok und der 38. ist ein Auslöser. Warum? Keine Ahnung. Jedenfalls gibt es durch diese unberechenbare Art so gut wie niemanden, dem ich erlaube, mit ihm spazieren zu gehen. Tu ich es doch mal für einige Stunden und höre irgendwann eine Sirene, denke ich sofort: Bitte nicht Klimt!!! Selbst meinen Eltern kann ich die Hunde nicht lassen, weil dort Klimts Bruder wohnt, mit dem es zum Kampf mit Beschädigungsabsicht käme. Bei Louni hätte ich einige Personen, denen ich das Handling zutrauen würde. Zwar findet die fremde Hunde richtig blöd. Doch sie bleibt dabei ansprechbar und lenkbar. Aber Klimt gerät in einen Tunnel, aus dem man ihn nicht rausbringt. So zwingt er mich auf Reisen, längere Ausflüge und sonstige Aktivitäten zu verzichten. Ein Restaurantbesuch ist für mich mit Hund kein Entspanntes Beisammensein mit Freunden, sondern ich bin permanent auf Habacht und das Ganze gleicht eher einer Übung aus der Hundeschule. Auch ein Urlaub mit Hund ist für mich kein Urlaub. Denn unbekannte Gegenden mit unbekannten Menschen und Hunden bedeuten Stress und unvorhersehbare Situationen. Ein Urlaub ohne Hund ist auch keine Alternative. Denn wie gesagt gibt es niemanden, dem ich Klimt geben möchte und außerdem will ich, dass meine Hunde bei mir sind in meiner freien Zeit. Das Resultat von all dem ist: Wir verbringen viel Zeit alleine zu dritt. Das ist schade, denn menschliche Gesprächspartner haben manchmal auch etwas für sich. Alternativ gehe ich eben aus und die Hunde bleiben zuhause. 


Dann such dir doch nen Hundetrainer, wenn du das so belastend findest, mögt ihr jetzt wohl denken. Nun das habe ich bereits vier Mal in sieben Jahren getan. Es waren immer sehr nette, verständnisvolle Damen. Doch geholfen hat uns keine. Denn alle Trainingsmethoden passten einfach nicht in meinen Alltag. Ich will an dieser Stelle gar nicht ins Detail gehen, sondern nur so viel sagen: Die Hunde begleiten mich beide auf die Arbeit. Ich kann keinen Zuhause lassen, um mit dem anderen zu trainieren. Denn das bedeutet, einer wäre 8 bis 10 Stunden alleine. Mal geht das. Aber nicht über mehrere Wochen. Und mit zwei Hunden funktioniert das Training einfach nicht. Louni, als extremes Sensibelchen, findet es nämlich ganz furchtbar, wenn ich mit Klimt arbeite, auch wenn ich positiv bin, befürchtet sie entweder Ärger oder mischt sich ein, weil sie mitmachen will.


Ich bin jedenfalls frustriert und fühle mich extrem eingeschränkt. Aber das dürfte wohl jeder nach diesen Zeilen bereits begriffen habe. Und jetzt kommt das Schlimmste und der Grund warum ihr nicht mich (sondern womöglich eher Klimt) bemitleiden solltet: Ich bin schuld. Klimt ist kein armer Second-hand-Hund mit schlimmer Vorgeschichte. Ich habe alles, alles selber verkackt. Ich bin kein Hundepsychologe, aber ich interpretiere unsere Geschichte jetzt einfach mal folgendermaßen: Louni fand mich zu passiv in Hundebegegnungen und beschloss auf Welpen-Klimt aufzupassen, wenn andere Hunde kamen. Lounis verteidigendes Verhalten ließen mich Hundebegegnungen also aus dem Weg gehen. So lernte Klimt von uns beiden, dass fremde Hunde mit Aufregung verbunden sind. Welpen-Klimt begann zu bellen. Eigentlich wollte er ja hin, er begann mehr zu bellen und wurde älter. Das Testosteron und der Frust nicht hin zu dürfen kamen hinzu. Das Bellen wurde aggressiver. Er bäumte sich auf. Zeigte Zähne. Und Zack war da die ausgewachsene Leinenaggression. Um das wegzutrainieren bin ich wohl einfach zu beschäftigt, zu inkonsequent und zu ungeduldig. Meine Panik beim Anblick fremder Hunde ist wohl auch nicht so förderlich. Herzlichen Glückwunsch also an mich.


Tja, und nun fragt ihr euch wahrscheinlich, warum ihr euch durch diesen Text gequält habt und welchen Nutzwert er für euch haben soll. Nun: Keinen. Ich wollte mich einfach nur mal auskotzen, etwas jammern und davon erzählen, warum ich manchmal sooo kurz davor bin, diesen verschissenen, gestörten Köter ins nächste Tierheim zu bringen. Dann erinner ich mich daran, wie lieb ich den unschuldigen kleinen Schatz doch habe. Wie sehr ich es liebe wie er mich in seinen guten Momenten ansieht, wie er riecht und wie seidig er sich anfühlt. Und ja, es gibt auch die Tage, an denen er mich stolz macht, etwa wenn er brav bei Wild vorsteht, eigentlich auf dem Sprung ist und sich dann zu mir umdreht, um meine angebotene Alternative zu wählen. Oder wenn der eigentlich Kinder hassende Klimt ganz ruhig den kleinen Nachbarsjungen mit mir über die Straße begleitet, weil der sich alleine nicht traut. Oder wenn mal wieder ein Tut-Nix in uns hineinbrettern will und Klimt den Pufferhund spielt, damit Louni den nicht rupfen muss. Ohne Leine ist er nämlich gar nicht so schlimm Oder, oder, oder...

Kommentare

  1. Und was wäre, wenn ihr euch für eine Weile trennt und Du gibst ihn zu jemandem, der mit ihm trainiert? Damit Du Dich erholen kannst und der Hund aus seinem Tunnel rauskommen kann? Das klingt ja wirklich nach großem Stress für euch. Alles Liebe!

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    1. Ich glaube nicht, dass es eine Frage des Trainings ist, sondern der Einstellung. Und es bringt mir daher auch nichts, wenn ein Dritter Klimt super führen kann, aber mein unsicheres Verhalten ihn dann doch wieder in seine Muster zurückfallen lässt. Außerdem: Auch wenn ich so großspurig geschrieben habe, ich sei kurz davor ihn ins Tierheim zu geben, würde es mir das Herz brechen, ihn auch nur eine Woche herzugeben.

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    2. ...Leider lese auch ich unglaublich viel Stress heraus. Und leider vor allem für deine Hunde! Zusätzlich fühle ich einen egoistischen Hintergedanken von dir zu sagen, dass es deine Einstellung ist und Punkt. Für mich sind die Hunde ganz ganz arm dran und du solltest - gerade weil du deine Hunde liebst - dringend ihnen zuliebe einiges ändern und die Problematik verdammt nochmal angehen. Du hast eine Verantwortung für das Wohlergehen deiner Hunde und dass sie nicht jeden Tag Unmengen an Stress ausgesetzt sind, nur weil du scheinbar überfordert bist.. Es gibt immer Mittel und Wege, alles andere sind faule Äußeren! Mit der Anschaffung der Hunde würde es zu deiner Pflicht, denn die Hunde haben sich nicht ausgesucht bei wem sie landen..
      Ich ziehe mich nun von diesem traurigen Block zurück. Grüße und alles Gute!
      Nicola

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  2. Oh Mann, ich fühle mit Dir. Ich habe auch selbst Paula versaut und es nie wieder ändern können. Es wäre bestimmt gegangen, aber meine innere Hab-Acht-Haltung machte jede Änderung unmöglich. Und das Wissen darum hat es nicht leichter gemacht.
    Wenn es dich tröstet, das Alter hat sie gnädiger gemacht. Was ich nicht schaffte, schaffte sie allein und so ab ihrem 8. oder 9. Lebensjahr waren wir für mich überraschend entspannt unterwegs.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

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    1. Irgendwie tröstet es mich nur ein ganz klein wenig. Schöner wäre es, wenn ich mit Klimt zusammen, also aus unserer eigenen Kraft heraus, das Ding wuppen könnte. Aber wie du schon sagst: Das Wissen um seine eigenen Fehler, macht es nicht leichter die abzustellen.

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  3. Ich kann dich verstehen. Mir ging es mit Odin eine Zeit lang genau so. Wo ich kurz davor stand ihn wegzugeben, weil ich vollkommen überfordert mit ihm war. Ich glaub das Einzige was mich davon abgehalten hat, war mein Stolz. Ich wollte einfach nicht aufgeben, war zu stur dafür. Heute bin ich froh darüber. Er hat angefangen an der Leine zu ziehen, als er dann auch das Gewicht dafür hatte. Und falls du dich an den Steckbrief erinnerst, er hat 40kg, ich 55. Da ging es eine Zeit lang nur noch mit Halti raus. An Freilauf war nicht mehr zu denken, denn in der Pubertät hat er vollkommen auf Durchzug geschalten. In der Zeit kam auch noch die Leinenagression dazu. Und er hatte eine Phase, die mehrere Monate anhielt, wo er uns jeden Abend, sobald wir uns auf die Couch gelegt hatten, anbellte. Egal was wir versucht haben, nix half, außer ihn auszusperren. Ignorieren war keine Option in einem Mehrparteienhaus und er hatte da ziemliches Durchhaltevermögen.
    Vor einer Woche ist er drei Jahre alt geworden und all diese Dinge sind zum Glück nur noch nervige Erinnerungen. Ich kann unterwegs wieder stehen bleiben und mit Leuten quatschen, bei anderen Hunden lässt er sich meistens ablenken, zu Hause verpennt er den ganzen Tag und wenn Besuch kommt ist er nach etwa einer Minute fertig mit vor Freude durchdrehen. Das Halti brauchen wir nur noch selten, in ungewohnten Situationen mit vielen Reizen. Im Freilauf ist er sowieso braver als angeleint. Deswegen tu ich mir jetzt dann auch wieder einen Welpen an, aber mit der Hoffnung das nicht alles nochmal durchmachen zu müssen. Odin hat mich damals gezwungen eine Menge zu lernen und ich hab nicht vor die gleichen Fehler wieder zu machen.
    Hast du denn die Möglichkeit mit beiden getrennt spazieren zu gehen? Zumindest hin und wieder. Dann könntest du dich mehr auf Klimt und sein Verhalten konzentrieren und ich glaube nicht, dass sich Louni an deiner ungeteilten Aufmerksamkeit gestört fühlen würde.
    Entschuldige die ewig lange Antwort. Wir wünschen euch alles Gute,
    Julia und Odin

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    1. Ja, das mit dem getrennt Spazierengehen tut uns allen drei super gut. Ich hab sogar mal nen Beitrag zu unserer "Quality Time" geschrieben. Kann den hier im Kommentar nur gerade nicht verlinken. Jedenfalls klappt das mit dem getrennt laufen halt nur, wenn ich mehr Zeit habe, also nicht regelmäßig, sondern mal am Wochenende.
      Übrigens finde ich es super, dass du so erfolgreich an Odins Macken gearbeitet hast. Ihr könnt stolz auf euch sein.
      Und das mit dem Welpen ist ja auch ultra spannend! Magst du schon verraten, was es für einer wird oder wäre der/die (?) Kleine wieder was fürs Mischlingsraten? Dann verrate lieber noch nix ;)

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    2. Es wird ein Elo, wahrscheinlich eine Hündin. Ich hoffe mit dem später mal arbeiten zu können, also ich würde gerne Therapiehundeausbildung machen. Das habe ich mit Odin inzwischen abgeschrieben...
      Übrigens war ich in den letzten Wochen kaum mit ihm spazieren, da mein Mann sechs Wochen frei hatte und ich eine Prüfung nach der anderen. Jetzt hat er wieder angefangen andere Hunde zu fixieren. Er dreht zwar nicht durch, ist aber auch nicht ansprechbar. Also nochmal von vorne. Das muss wieder klappen, bevor der Welpe im Februar einzieht.
      Den Artikel zur Quality Time muss ich nachher mal raus suchen. Bin auch schon am Überlegen, wie ich das manage.

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  4. Wir haben auch zwei Hunde. Einen Eurasier-Rüden (1J.) und eine kleine Mischlingshündin aus Sonstwo (ca. 3 Jahre). Die Kleine hat den Welpen sehr mütterlich aufgenommen, allerdings von Beginn an ausgewählt mit wem er spielen darf. Mittlerweile hat er wohl bemerkt dass er ihr gegenüber in allen Disziplinen überlegen ist und emanzipiert sich langsam. Leider kann sie das nicht akzeptieren und macht mittlerweile bei jedem Hundekontakt einen Aufstand für 10. Unterhaltungen mit dem Gegenüber sind vor lauter Kläffen kaum möglich und ist sie von der Leine beißt sie ihm in die Hinterläufe. Die Meisten gehen dann genervt weiter und wir trauern der verpassten Spielchance hinterher, zumal es ihm immer noch schwer fällt den ersten Schritt zu tun. Er muss meist angespielt werden weil Mrs. Bates ihm zu lange gesagt hat was er tun soll.

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  5. Ich habe in den letzten Tagen auch auf meinem Blog gejammert, weil wir für unseren kranken Hund mittlerweile zweimal in der Nacht aufstehen müssen. Es geht nach einem Jahr an unsere Grenzen.

    Wenn ich aber Deinen Beitrag lese, dann schäme ich mich für meine Klage, denn wir haben einen sozialverträglichen Hund, den wir in die Betreuung geben können und mit dem wir, zumindest wenige Tage innerhalb von Deutschland, auch in den Urlaub fahren können. Wir haben einen Hund, den ich als für mich perfekt erachte, den ich über alles liebe und den ich niemals hergeben müsste. Er ist krank und bedarf mit selbstgekochtem Futter, vielen Mahlzeiten - auch in der Nacht -, vielen Medikamenten und Arztterminen sehr viel Versorgung.

    Ich kann Dir wirklich leider keine Tipps geben, bewundere aber Deinen Mut und Deine Offenheit so sehr. Ich wünsche Dir von Herzen eine schnelle Lösung, damit ihr alle wieder glücklich werdet. Ich denke Du weißt, dass Du das auf Dauer nicht durchhalten kannst. Du brauchst Urlaub, Abwechslung und Entspannung.

    Alles, alles Gute und viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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    1. Hey, du brauchst dich auf keinen Fall für deine "Klage" beschweren. Ich habe gerade deinen letzten Beitrag zu Sockes Krankheit gelesen und kann mir gut vorstellen, dass das nächtliche aufstehen mürbe macht. Schlafentzug ist nicht umsonst eine Foltermethode.
      Gute Besserung euch!

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  6. Da kann ich dich gut verstehen. Mir geht es mit Kalle manchmal ähnlich, er hat ja auch das eine oder andere Problemchen mit anderen Hunden und Menschen. Und den Satz "Ist das nicht Mia?" habe ich auch schon das ein oder andere Mal gehört und sehnsüchtig am Zeiten gedacht, in denen wir gerne Kontakte hatten... Ich habe immer noch das Glück, dass meine Mutter mit den Hunden spazieren gehen kann, ansonsten kann ich Kalle auch niemandem anvertrauen. Auch bei dem Gedanken, dass er mein Leben ziemlich einschränkt, habe ich mich schon ertappt. Neulich hatte ich ein Gespräch mit einem Prof, der schon fröhlich meine Postdoc-Zeit plante, und habe mich nicht getraut zu sagen, dass ich eine vierbeinige Krawallschachtel im Gepäck habe, mit der das Ganze kaum möglich sein wird. Also hin und wieder bin ich auch frustriert. Aber dann frage ich mich, ob ich eigentlich wirklich eine Karriere in der Forschung möchte oder das nur das ist, was andere erwarten. Was du am Anfang deines Textes geschrieben hast, Karriere und Familie, ist doch das, wie andere Leute Erfolg definieren. Vielleicht sieht für dich Erfolg ganz anders aus. Kalle jedenfalls kümmert sich nicht um Erwartungen, er macht kompromisslos sein Ding. Ich versuche, mir da ein Beispiel zu nehmen (wenn auch nicht ganz so extrem ;) ). Womöglich wird mein größter Erfolg im Leben ein Kalle sein, der glücklich ist und nur ganz selten ausrastet. Das ist nicht das Schlechteste. :)
    Liebe Grüße,
    Nora

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    1. Ach, Nora, du bist mir ja so unglaublich sympathisch. So sehr, dass ich sogar gerne Mal einen Spaziergang mit dir und unseren Krawallschachteln wagen würden (an der Leine!), würden wir näher beieinander wohnen.
      Direkt nach dem Studium damals habe ich übrigens ein Volo bei einer renommierten überregionalen Müncher Tageszeitung ausgeschlagen, weil ich es unter anderem mit den Hunden nicht vereinbar sah. Stattdessen habe ich mich weit weniger populär anstellen lassen, weil ich die Hunde mit ins Büro brignen durfte. Ich verstehe deinen Gedanken also echt gut.

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    2. Vielleicht klappt das ja irgendwann. Falls wir mal in eurer Nähe sind, sage ich auf jeden Fall bescheid. :)

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  7. Vielen Dank für deine Ehrlichkeit! Ich fühle mit dir, die Situation klingt sehr anstrengend. Vor allem, wenn da sonst niemand ist, der die Hunde- oder zumindest einen- mal nehmen kann. Ich kenne zeitweise verzweifelte Momente selber und bin sehr froh, wenn dann mal mein Freund mit dem Hund geht. Vor allem, wenn ich gestresst bin und weiß, dass das an diesem Tag wegen meiner Einstellung nix werden würde ;-). Hanni zieht manchmal noch und ich kann sie deswegen auch nur wenigen zum Spazieren anvertrauen. Letztens meinte eine Freundin, sie habe selber Hund gehabt und ich solle mir nicht so viele Sorgen machen,...und wurde dann von meinem Hund (an einem Pubertät-Tag) ein Stückerl gezogen, bis sie wieder Grip unter den Füßen hatte. War sogar ein bisschen lustig. In so einem Fall ist man eine Zeit lang echt eingeschränkt und fühlt sich alleine zuständig. Was das Umfeld oft nicht versteht. Ich wünsche dir alles Gute und viel Durchhaltevermögen! Lieben Gruß, Jule

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  8. Ich verstehe dich, fühl dich unbekannterweise mal gedrückt!
    Du bist defintiv NICHT alleine ;-)....

    Lass dich nicht unterkriegen, es wird immer wieder beschissener und dann wieder besser, ich weiss echt auch, wovon ich da rede, ich hab nämlich ne auch richtig irre Konstellation zuhause, also genau so, wie man es nicht machen sollte ;-)

    schade, das du so weit entfernt von mir wohnst!

    Liebe Grüße von Tanja und der Terrierfraktion

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    1. Welche Chaos-Konstellation hast du denn zuhause und wo wohnt ihr? Gerne darfst du mir das auch per Mail (wohlstandshund@gmx.de) schreiben.

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  9. Danke!!! Du hast mir meinen Tag gerettet. Denn genauso wie du schreibst geht es mir auch meistens. Ich habe Mutter und Tochter und die Kleine ist leider auch spezielle, obwohl ich den Wurf selbst aufgezogen habe und alle bestens sozialisiert wurden, habe ich eine kleine Rabiatperle, die andere Hunde nicht mag.
    Manch Tage sind gut, manche ein Jammer, so wie heute. Irgendwie war heute der Wurmloch drin, die kleine Lindie war besonders schwierig und ich habe mir zu allem Überdruck noch den Gesäßmuskel gezerrt als ich mit den Hunden einen Hang hinauflief. Ich war so Garantie und habe heute viel mit ihnen geschimpft und mich wie 100mal vorher wieder gefragt warum ich 2Hunde habe. Nur mit Dessa, der Mutter wäre alles so viel einfacher. Und dann schau ich ihnen in die Augen, sehe ihr unbegrenztes Vertrauen und die Frage warum ich heute soviel schimpfe. Und dann kuscheln sie bei mir und ich hab so ein schlechtes Gewissen.

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    1. Rabiatperle ist ja kreativ! :)
      Ich wünsche euch alles Gute und viel Ruhe fürs Training - leichter gesagt, als getan ich weiss es sooo gut...

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  10. Ich danke dir für deinen Text. Mir geht es mit meinem Samu leider genauso. Ich habe ihn seit bald drei Jahren und von da an ist er immer schlimmer geworden (hatte schon ein paar Problemchen mitgebracht, die dann immer weiter anwuchsen). Ich hatte immer die Hoffnung, dass es irgendwann besser wird. Habe mir Ziele gesetzt (bis dahin kann er ohne Leine laufen, alleine bleiben, Besuch akzeptieren, Geräusche aushalten usw.), habe trainiert, mehrere Trainer hinzugezogen und viel gelesen und überlegt. Heute habe ich aufgegeben an irgendeines von diesen Zielen zu glauben. Mit dem Alter wurde sein Verhalten ernster und das Alter war leider schneller als unser Training. Heute macht er ernst, setzt seine Zähne ein. Ich kann ihn weder alleine lassen, noch mitnehmen, es ist ein Teufelskreis...
    Die Erkenntnis, dass dieser Hund nie ein entspanntes Leben führen wird, meine ganze Familie unter ihm leidet (und das obwohl grade sie diejenigen sind, die mir Samu ermöglicht haben und mir damit ursprünglich meinen sehnlichsten Wunsch erfüllt haben,) ist inzwischen unerträglich und ja, größtenteils bemitleide ich mich damit natürlich selbst. Dass ich ihn bis jetzt noch nicht weggegeben habe und auch niemals weggeben werde ist wahrscheinlich mehr Selbstsucht als Tierliebe, Verantwortungsgefühl o.ä. , ich kann es einfach nicht. Schließlich haben wir doch so viel zusammen durchgemacht, liegt er doch abends immer so lieb neben mir auf dem Sofa, lässt sich stundenlang kraulen...
    Jedenfalls danke ich dir für deinen Text. Es tut gut zu wissen, dass man damit nicht alleine ist und es ist gut, dass es jemanden gibt, der sowas mal ausspricht, wo man diese Gedanken ja eigentlich immer schluck. Danke

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  11. Was ist denn mit einer fan5 ordinären Hundeschule mit ganz normalen Gruppentraining? Mein Hund hat mit anderen zum Glück keine Probleme, da sie von Anfang an einmal die Woche mit einer Gassirunde mitgeht, aber ich sehe in der Hundeschule, wie gut es.anderen Hunden tut, kontrolliert auf Artgenossen zu stoßen. Und erfahrene Hundetrainer sind ja auch dabei....

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    1. Ja, das hatten wir schon. Klimt, das kluge Tier, durchschaut solche Trainingssituationen allerdings sehr schnell und pöbelt nicht, sondern zeigt sich von seiner artigen Seite. Es ist der Alltag mit seinen unplanbaren Situationen, der Mr. Hyde zum Vorschein bringt.

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  12. Hallo,
    du bist definitiv nicht alleine...
    hab leider auch so eine konstellation, nur das ich selber nie weiß welcher meiner zwei heute der Rambo in der Gruppe ist.
    Und habe gelesen das du aus Schweinfurt bist bzw dort geboren worden.
    Dann mal liebe grüße aus der alten Heimat :)

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    1. Hey, ja! Über Weihnachten waren wir erst wieder in SW-City und habe unser altes Territorium markiert ;)

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  13. Dieser Hund ist bei dir einfach nicht gut aufgehoben und hat ein Zuhause verdient in dem er entspannt leben kann. Wie du sagst, ist es „Einstellungssache“ und wenn du keine Lust hast für ein geliebtes Wesen deine Einstellung anzupassen, dann sollte dieses Wesen nicht bei dir leben müssen.
    Manchmal muss man es so deutlich sagen, tut mir leid.
    Ich habe bzw. hatte so einen Hund auch, und habe an mir gearbeitet, jetzt sind wir beide glücklich.
    Dein Verhalten mag zu deiner Hündin passen, aber eben nicht zu ihm. Ihr leidet alle drei.

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  14. Danke das mal endlich jemand sagt was ich mir auch denke! Meine Klimt heißt Malu und ich bin überrascht wie sehr man lieben und eine Entscheidung auch bereuen kann.
    Es ist einfach anstrengend und niemand versteht das wenn er nicht selbst in so einer Situation steckt und hört auf mit euren ach so schlauen Kommentaren von wegen an der Einstellung was ändern usw.... wie wenn man das nicht alles probiert hätte. Auch ein Hundebesitzer is nur ein Mensch mit beschränkten Möglichkeiten!

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    1. Danke für deinen Kommentar. Der zeigt mir wieder wie nahe Begriffe wie Liebe und Reue beieinander liegen. Wie Anstrengung und Motivation sich aufheben können. Wie Feedback und Reflexion sich auffressen können. Es ist ok für mich, wenn Menschen finden, dass ich Klimt abgeben soll. Ich finde auch so einiges... das passiert aber genauso wenig. Man muss halt immer sehen, dass die einen nicht wirklich kennen und daher erstmal erschrocken sind. Ich hab nun manchmal nen fies-schnodrigen Ausdruck und als ich den Text geschrieben habe, war ich gerade wirklich ungut drauf. Daher sind die Reaktionen für mich völlig ok. Auch die negativen Kommentare sind es.
      Und sonst: Ich umarm dich mal virtuell von Arschlochhundefrauchen zu Arschlochhundefrauchen ;)

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  15. Oh man, also bin ich nicht die einzige die manchmal genauso denkt. Ich habe auch zwei süße Hunde, die mir manchmal den letzten Nerv rauben. Aber tief im Herzen hat man diese Arschlochhunde doch ganz schön lieb und man will sich das Leben ohne sie nicht mehr vorstellen.

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  16. Oje, ich kann dich gut verstehen.
    Mein Hunf muss bei Hundebegegnungen entweder angeleint oder mit Leckerlis abgelenkt werden. Sobald ein anderer Hund in Sicht ist, ob nah oder fern gibt es kein Halten mehr! Der andere Hunf wird bedrängt, umgerannt oder manchmal auch angefeindet (im schlimmsten Fall entwickelt es sich zu einer Beisserei..). Mein Fehler in der Welpenzeit war es ihn mit jedem anderen Hund spielen zu lassen um den sozialen Umgang zu lernen. Dummerweise denkt er jetzt mit anderthalb Jahren dass man ungefragt zu jedem Hund hinrennen kann wie ein Bekloppter! Ich schäme mich deswegen viel und merke die Blicke der anderen Halter auf mir die mich als Versagerin in der Erziehung sehen...Noch dazu kommen die wenigen Besserwisser die dann Dinge sagen wie: Das ist doch ein Akita oder? Sind doch so schwierige Hunde.
    Es gibt auch viele die Verständnis zeigen, da er noch so jung sei-Sturm und Drangzeit nennen sie es.
    Es gibt Tage da klappt gar nichts mit ihm und man möchte ihn einfach abschieben und nicht mehr sehen wollen..und dann merkt man dich wie sehr man seinen Wirbelwind eigentlich lieb hat. Und wie sehr er einen selbst lieb hat und es ja eigentlich nie böse meint.
    :)

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