Show-Time

 

"Once Upon A Dog"

Ein unerhaltsamer Abend mit Cesar Millan in der Olympiahalle in München

Ich habe lange überlegt, ob ich eine Rezension über die Show "Once upon a dog" ("Es war einmal der Hund"), mit der Hundetrainer und Entertainer Cesar Millan aktuell auf Deutschland-Tour ist, schreiben soll. Selbst als ich am vergangenen Sonntag in der Münchner Olympiahalle saß, war ich mir nicht sicher, ob ich darüber bloggen soll. Und so blieben Block und Stift unberührt in meiner Tasche. Dann habe ich mich gefragt warum eigentlich nicht? Bloß weil die Millan-Kritiker oder -Fans dich in der Luft zerreißen könnten? Quatsch! Als Blogger und Journalist muss man doch gerade über solche Themen schreiben, die bewegen und polarisieren. Also schreibe ich..



Cesar Millan und ich haben zwei Dinge gemeinsam. Wir mögen beide Hunde und sind beide 1,65 Meter groß. Von meinem oberen Platz in der Olympiahalle aus hat er allerdings noch winziger gewirkt. Trotzdem war es irgendwie aufregend, als der kleine Mann, den man ja immer nur im Fernsehen sieht, pünktlich um 20 Uhr ganz ungefiltert ins Rampenlicht trat. Die Halle war beinahe voll besetzt. Die Bühnendekoration war schlicht gehalten und bestand aus drei Blöcken, die mit seinen Lieblingshunden bedruckt waren - darunter natürlich Pitbull Daddy - sowie drei Bildschirmen, auf denen während der Show verschiedene Clips eingespielt wurden. Neben Cesar Millan war auch noch Daniel Boschmann, den man aus dem Sat1-Frühstücksfersehen kennt, auf der Bühne. Er übersetzte ins Deutsche.

Handwerklich kann ich Boschmann nichts vorwerfen. Er vermittelte dem Publikum die Inhalte korrekt und mit einer Portion Humor, vor allem im Dialog mit Cesar, der bei verschiedensten Gelegenheiten versuchte Deutsch zu sprechen und dabei die Lacher auf seiner Seite hatte. Allerdings unterbrach die Übersetzung jedes Mal den Fluß. Es konnte so keine Dynamik aufkommen und es wurde für mich zunehmend anstrengender der Show zu folgen, weil ich ja quasi alles zweimal hören musste. Einmal auf englisch und einmal auf deutsch. So erschloß sich mir auch nicht, wie die Show konzipiert oder gegliedert war. Ich hatte den Eindruck, Cesar Millan ist von einem Thema in das nächste gesprungen und der Zuschauer musste folgen. Mir wäre eine Show komplett auf Englisch lieber gewesen. Denn Cesar sprach sehr deutlich, sodass der Großteil der Zuschauer auch so hätte folgen können.

Die Ankündigug versprach, dass es um folgendes Thema geht: "Vom ersten Augenblick an, an dem unser Liebling Mitglied unserer Familie wird, bis zum Umgang mit dessen Ableben nimmt Cesar Millan in seiner neuen Show den Zuschauer mit auf eine unterhaltsame Reise durch das Familienleben mit Hund." Tatsächlich ging es zu Beginn um den süßen Welpen, der einen in Versuchung führt, ihn zu verhätscheln, und am Ende um den Tod des geliebten Hundes am Beispiel von Daddy. Doch alles dazwischen wirkte auf mich recht wirr. 

Die Show bestand zum einen aus Cesars Ausführungen, die leider nicht allzu viel Neues bereit hielten, Märchengeschichten über Hunde, die den Zuschauer etwas lehren sollten, Clips und Berichten früherer Fälle und Live-Demonstrationen. Das alles kam mit einer ordentlichen Portion Witz daher. So berichtete Cesar von einem Fall, bei dem ein Papagei das Rudel beherrschte. Kurzerhand schmiss sich der Hundetrainer in ein Vogelkostüm und überraschte mit einer Tanzeinlage zu Beyoncés Hit "Crazy In Love". 

Die eingespielten Clips, Märchen und Kommentare ehemaliger Klienten, waren auf Englisch und mit Untertiteln versehen. Dem Englischen konnte ich hier leider nicht immer folgen und die Untertitel waren für mich nur sehr schwer zu lesen - trotz Brille.

Eine Abwechslung waren die Live-Demonstrationen. Problemhunde waren hier nicht auf der Bühne. Aber damit hatte ich auch nicht gerechnet. Stattdessen legten die Hunde kleine Macken wie extreme Aufgeregtheit bei der Begrüßung oder das Ziehen an der Leine an den Tag. Cesar rehabilitierte diese auch nicht in der Kürze der Zeit, sondern gab Tipps, um das unerwünschte Verhalten abzustellen. Hier war im Übrigen nichts von seinen häufig kritisierten Methoden zu bemerken. Statt den an der Leine ziehenden Labrador (der zog in dem Moment übrigens gar nicht - typischer Vorführeffekt den ich auch von den Wohlstandshunden kenne ;) Wenn ich zeigen will, wie unerzogen sie sind, benehmen sich sich plötzlich.) mit seinen so typischen "Bissen" mittels Hand und "Berührungen" mittels Fuß zu korrigieren, meinte Cesar, man solle stehen bleiben und weiterlaufen, wenn der Hund ruhig und aufmerksam ist.

Dass die Ruhe wichtig ist, wusste ich zwar schon vorher, aber es war trotzdem ganz gut, das als eine der Kernaussagen aus der Show noch einmal mitzunehmen. Den Hinweis, dass ein Hund, der in unserer heutigen Gesellschaft oft nicht mehr seine eigentliche Aufgabe hat (Hüten, Jagen, Beschützen, Schlitten Ziehen etc.), eine alternative Beschäftigung benötigt, die über normales Spazierengehen hinausgeht, fand ich ebenfalls sehr wichtig, wenn auch nicht neu. Cesar sprach außerdem über Ehrlichkeit und Vertrauen. So spiegele der Hund unsere Gefühle besser als jeder Mensch. Ihm könne man nichts vormachen, ihn könne man nicht belügen. 

Emotional wurde es am Ende der Show, als Cesar dem Publikum erklärte, wer ihm so viel über Hunde beigebracht hat, wer bei schwierigen Fällen ein verlässliches Barometer war und wer sein bester Lehrer und Helfer war. Natürlich sprach er von seinem geliebten, braunen American Pitbull Terrier Daddy, der in so vielen Sendungen von "Der Hundeflüsterer" zu sehen ist und der 2010 im Alter von 16 Jahren starb. Einige im Publikum zückten ihre Taschentücher und wischten sich verschämt über die Augen. Auch mir saß ein schmerzender Kloß im Hals, als das Bild des alten Hundes auf den Bildschirmen erschien.

Mein Fazit des Abends in fünf Adjektiven: unterhaltsam, witzig, emotional, anstrengend, wirr. 

Übrigens: Meine Bloggerkollegin Sandra Tilgner von Runners-Dog war auch in München bei der Show. Wenn ihr wissen wollt, wie sie das Ganze fand, klickt doch mal hier.

Kommentare

  1. Hallo Diana,

    vielen Dank für die Verlinkung! :)
    Ich finde Deinen Bericht echt super. Was Du schreibst, trifft den gestrigen Abend auf den Punkt, weshalb ich Dich auch in meinem Beitrag verlinkt habe.

    LG
    Sandra

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    1. Danke, ging mir genauso mit deinem Beitrag. Interessant fand ich vor allem die Passage mit den Demonstrationen. Wir sind mit dem Auto angereist und haben davon gar nichts mitbekommen.

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