1 1/2 schwierige Hunde

Blogparade 

1 ½ schwierige Hunde

 

Warum mich die Wohlstandshunde manchmal wahnsinnig machen 


Die Wohlstandsunde freuen sich, an der Blogparade "Leben mit schwierigem Hund" von Hundekind Abby teilzunehmen. Diana ruft dabei dazu auf, einfach mal zu erzählen, wie das Leben mit einem schwierigen Hund so aussehen kann. Nachdem auch die Wohlstandshunde einige Baustellen haben, sind wir natürlich mit dabei und geben unseren Senf dazu.

Wohlstandshunde gelten ja schnell als schwierig, wenn sie in der Wohlstandsgesellschaft anecken. Doch das passiert in der heutigen Zeit ganz einfach. Denn die Erwartungen an den Wohlstandshund sind in den letzten Jahrzehnten gestiegen (Ein Beispiel für früher und heute, ist hier zu finden). Früher hat es gereicht, wenn der Hofhund, den Hof bewacht. Wenn er damals den Nachbarshund gerupft hat, weil dieser zu nah am Grundstück vorbeikam, dann war das eben so. Die haben das wohl wirklich noch unter sich geklärt. Auch wenn der Hund den Schornsteinfeger vom Grundstück gejagt hat, war das nicht dramatisch. Der Hausherr rang sich vielleicht gerade mal ein müdes lächeln ab. Hund im Bett niemals – wenn er in der Stube schlafen durfte, war es das höchste der Gefühle. Heute funktioniert das aber in Deutschland in den meisten Fällen nicht mehr so. Vielen Wohlstandshunden hat das aber noch niemand erklärt. Auch meinem Klimt nicht.

Klimt kommt nicht aus schlechten Haltung. Er wurde nicht geschlagen, getreten oder psychisch misshandelt. Klimt kommt auch nicht von der Straße, wo er tagtäglich um sein Überleben kämpfen musste. Nein, ich kann an dieser Stelle keine rührend-traurige Geschichte erzählen, die erklärt, warum ich Klimt für einen schwierigen Hund halte. Zu blöd – zumindest für mich. Denn so muss ich wohl eingestehen, dass vieles hausgemacht ist. Von mir.

Ein richtiger Problemhund ist er natürlich auch nicht. Die Horrorszenarien blieben uns erspart. Klimt hat kein Tier zu Tode gehetzt, keinen Autounfall verursacht, keinen Menschen gebissen und auch keinen anderen Hund verletzt. Dennoch zeigt er einige Verhaltensweisen, die den Alltag oft anstrengend machen. 

 

Hallo Fremder! 

 

Klimt findet zum Beispiel nicht alle Menschen gleich super. Manche schon. Die will er bellend, schwanzwedeln und welpenhaft ungestüm begrüßen. Besonders schwierig ist es aber mit alten Personen, die einen wackligen Gang haben. Die sind ihm nicht ganz geheuer. Bleiben sie ängstlich stehen und starren ihn an, bellt er – zumindest, wenn wir aufgrund der Örtlichkeit keine Distanz schaffen können. Das nervt. Denn meinem Gegenüber ist natürlich nicht klar, dass Klimt nur ihr unsicheres Verhalten spiegelt und sich außer durch Bellen nicht anders zu helfen weiß. Die Person glaubt stattdessen, ich hätte ein dämonisches Wesen an der Leine, das besser hinter Gittern aufzubewahren wäre. Ich ahne solche Situationen nun schon immer im Voraus und versuche ein wenig Leichtigkeit hinein zu bringen, indem ich kleine Übungen einbaue (Hand-Touch, eine Drehung, ein Bussi auf die Wange, eben Dinge, die ich mit zwei Hunden an der Leine hinbekomme). Bei kleineren Kindern bis circa sechs Jahren ist es übrigens ähnlich. Der seltsam-wacklige Gang und das neugierig-ängstliche Starren, lässt ihn gerne mal ausrasten. Wenn die dann noch eine dicke Winterjacke und eine unförmige Bommelmütze tragen, wechsle ich mal lieber die Straßenseite. Denn meine Diskussionsbereitschaft mit Eltern über meine Bestie geht gegen null. Gleiches gilt für Radfahrer, zumindest für manche. Hier bin ich noch nicht so recht schlau aus meinem Hund geworden. 57 Radfahrer ignoriert er völlig. Und der 58. wird angeknurrt und angebellt...
Ich muss dazu sagen, dass es mich gar nicht mal so sehr stört, dass Klimt, kein Hund ist, der sich von jedem sofort kuscheln lassen möchte. Denn er ist schließlich kein Kuscheltier oder Püppchen, dass sich von allen anfassen und herzen lassen muss. Er ist ein Lebewesen mit individuellem Charakter. Mir würde es völlig genügen, wenn er ruhig bleibt und mir kurz Zeit lässt, dem Gegenüber zu erklären, dass man ihn am besten erstmals ignoriert bis er bissl heruntergekommen ist.

Klimt rastet aus!

 

Vielmehr stört mich, dass er völlig ausrastet, wenn wir andere Hunde treffen. Schuld daran sind ganz eindeutig ich und Louni. Die findet nämlich fremde Hunde ziemlich doof. Im Vorfeld pöbelt sie zwar nicht, zeigt dem anderen Hund aber ganz klar und deutlich (wenn auch unblutig), das sie absolut kein Interesse hat, wenn mal wieder ein leinenloser Tutnix ihre Individualdistanz unterschreitet. Das heißt, ich weiche in ihrem Sinne dem Kontakt aus. Manche Wege gehe ich gar nicht mehr. Restaurantbesuche mit zwei Hunde gibt es nicht. Ausflüge in die Stadt sind ein Spießrutenlauf. Klimt hat wohl dadurch gelernt, dass Fremde Hunde Aufregung und Angst bedeuten. Gleichzeitig ist er frustriert, weil er ja eigentlich doch ganz gerne mal schnuppern möchte. Das entlädt sich dann in aggressivem Gekläffe, das manchmal in ein resignierendes Fiepen umschlägt. Auf jeden Fall randaliert er extrem an der Leine, sodass mir die Aufmerksamkeit der ganzen Umgebung sicher ist. Wenn er erst mal in seinem Ausbruch gefangen ist, kann ich ihn auch nicht mehr ansprechen. Weder Leckerchen, noch Markerwort oder ein Abbruchsignal funktionieren. Natürlich versuche ich immer eine Distanz zu finden, wo er noch Ansprechbar ist, aber auf schmalen Wegen gelingt das nicht immer.
Das Traurige ist, dass er dieses Verhalten bereits so ritualisiert hat, dass er es auch an den Tag legt, wenn Louni nicht dabei ist. Denn während dieser Quality-Time könnte er ja eigentlich mit anderen Hunden Kontakte knüpfen. Klimt ist nicht per se unverträglich. Aber wenn er mit gesträubtem Fell, aufgestellter Rute, geifernd in der Leine hängt, rückt das Kennenlernen in sehr weite Ferne...
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir einen Weg finden, dass ich mit Klimt ruhig an unbekannten Hunden vorbeilaufen kann, dass er mich Situationen klären lässt, ohne auszurasten, und dass wir während der Quality-Time vielleicht den ein oder anderen Hundekumpel kennenlernen können.

Ich würde meine Hunde gerne möglichst überall mit hinnehmen, aber das funktioniert in der heutigen Zeit nur, wenn sie „alltagstauglich“ sind. Louni alleine ist das. Klimt alleine ist es nicht, aber er bleibt zumindest händelbar. Zu zweit sind sie es leider nicht. Deshalb habe ich 1 ½ schwierige Hunde.


Kommentare

  1. Vielen lieben Dank, dass ihr bei der Blogparade mitmacht.
    Es ist sooo spannend zu sehen, was für jeden einzelnen einen "schwierigen Hund" ausmacht! Das mit der Leinenpöbelei kann ich verstehen. Das machen wir ja auch durch :-/ Wir drücken euch auch die Daumen, dass es bald besser wird!

    Liebe Grüße
    Dini

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  2. Diese Unverträglichkeit mit anderen Hunden, habe ich mit meiner Jackrusselhündin auch. Seit geraumer Zeit besuchen wir nun eine Spielstunde, zu der auch “Raufer“ zugelassen sind. Genau wie die meisten ihrer Mitspieler muss sie einen Maulkorb tragen. So kann sie lernen (und sie lernt sehr sehr langsam), dass nicht immer gleich Krieg ist, wenn ein Hund mal schnuppern will, oder auch nur länger in ihre Richtung guckt. Wegjagen klappt trotzdem sehr gut und in die Luft beißen(Maulkorb sei Dank) auch. Somit ist sie die hysterische Zickenkönigin. Unangefochten. Unser Problem ist semihausgemacht. Sie ist vor Jahren mal von einem größeren und stärkeren Hund in die Kehle gebissen worden. Der Prozess zur Leinengladiatorin ging dennoch schleichend und natürlich hab ich meinen Teil aus falsch umgesetzter Fürsorglichkeit dazu beigetragen. Wie gesagt, wir arbeiten daran.

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    1. Hallo Cora,
      danke für deine Geschichte. Da fühlt man sich gleich weniger alleine mit seinem Problem. So eine Gruppe zur Resozialisierung klingt ja toll. Bei uns hier gibt es lediglich Social Walks. Aber das wäre ja womöglich auch etwas für den Anfang.
      Liebe Grüße,
      Diana und die Wohlstandshunde

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