Mitleid in der Erziehung

 

Das Mitleid ist ein schlechter Ratgeber


„Manchmal habe ich das Gefühl, ich müsste das ganze Leid, das Hunden auf dieser Welt geschieht, an meinen eigenen wieder gut machen.“

Im Fernsehen, in Zeitungen, auf sozialen Netzwerken oder in der eigenen Nachbarschaft – ständig werden wir mit Tierquälerei konfrontiert. Besonders auf sozialen Netzwerken sind die Bilder oft grausam blutig, weil sie meist ungefiltert verbreitet werden. Ohne Statistiken zu Rate zu ziehen, ist klar: überall auf der Welt geschehen jede Sekunde Ungerechtigkeiten an Tieren, die dem Menschen hilflos ausgeliefert sind.


Als Halterin von Wohlstandshunden trifft es mich besonders, wenn sich Grausamkeiten gegen Hunde richten. Ganz schwer zu ertragen ist es,  Bilder und Videos zu sehen oder auch Texte zu lesen, in denen Hunde misshandelt oder getötet werden. Menschen treten, schlagen oder verstümmeln Hunde, kochen sie lebendig, ziehen ihnen das Fell ab, ertränken sie, lassen sie verhungern und verdursten. Die Bandbreite an Grausamkeiten ist unvorstellbar groß; fast genauso groß wie meine Wut, Traurigkeit und das Unvermögen solche Taten nachvollziehen zu können. Der Mensch erscheint plötzlich als Ungeheuer ohne jegliche Empathie. Ihm Gegenüber steht das hilflose und ausgelieferte Geschöpf – voller Vertrauen fast bis zum Ende und voller Unschuld. Denn unschuldig sind unsere Hunde immer. Im Gegensatz zum Menschen handeln sie nicht heimtückisch und kennen das Gefühl nicht, aus Freude zu quälen oder  zu verärgern. Sie handeln lediglich instinktgesteuert oder, weil sie es von ihrem Menschen so gelernt haben. Nicht umsonst heißt es ja: „Alle Hunde kommen in den Himmel“.

Für mich als Halterin von Wohlstandshunden ist es in erster Linie furchtbar solche Szenen zu sehen, aber es boykottiert auch meine ganze Erziehung. Denn immer wenn ich über schlimme Hundegeschichten stolpere, habe ich das Gefühl, ich müsste das ganze Leid, das Hunden auf dieser Welt geschieht, an meinen eigenen wieder gut machen. Die Wissen natürlich nichts von irgendwelchen gequälten Kreaturen und genießen einfach die Privilegien, die in ihnen in meinen schwachen Stunden zu teil werden.

Langfristig gibt es dabei natürlich nicht viel zu genießen. Denn wenn ich einmal in der Woche alles durchgehen lasse und an den restlichen sechs Tagen versuche an gewissen Regeln fest zu halten, ist das natürlich kontraproduktiv. Denn meine Hunde lernen so lediglich, dass ich unberechenbar bin und es sich lohnt meine Regeln ständig zu hinterfragen oder eigene Regeln zu etablieren. Mein Wankelmut lässt mich zu einem schlechten Rudelführer werden, weil meine Wohlstandshunde mich nicht mehr einschätzen und mir vertrauen können.

Mein Mitleid ist also ein ganz schlechter Ratgeber. Nicht nur mein Mitleid übrigens. Auch das Mitleid von so vielen Hundehaltern, die etwa einen Hund aus schlechter Haltung haben und diesem nun nichts mehr zumuten wollen, ihm stattdessen alles erlauben, weil er ja schon so viel Schlimmes erlebt hat. Dabei benötigen gerade diese Hunde klare Strukturen, die ihnen Sicherheit geben. Auch Wohlstandshunde mit Handycap werden häufig zu Unrecht bemitleidet. Das Mitleid setzt sie auf dein Podest, während sie doch eigentlich ein ganz normales Miteinander benötigen würden, um ein ganz normales Leben als Wohlstandshund führen zu können.

Übrigens ist nicht nur das Mitleid ein schlechter Ratgeber. Auch Wut, Zorn, Verzweiflung, Angst oder Aufgeregtheit stehen einem harmonischen Miteinander im Weg. Der Wohlstandshund kann sich auf einen Menschen, der mit solchen Emotionen belastet ist, nicht mehr verlassen und sieht sich gezwungen eigene Entscheidungen zu treffen. Emotionslos möchte ich meinen Hunden natürlich auch nicht gegenübertreten. Ich will auch nicht darauf verzichten ihnen Zuneigung zu zeigen. Aber ich möchte mir künftig angewöhnen, mit meinen Wohlstandshunden nur in einem ruhigen, souveränen Zustand zu arbeiten und lediglich positive Emotionen zuzulassen.

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